Jedes Jahr im Sommer kommt ein Gesprächsthema auf: „Ich mache jetzt mit der Meditation mal ein paar Wochen Pause, denn ich fahre in den Urlaub“ oder „ich verbringe meine Zeit lieber draußen“. Und jedes Mal rate ich meinen Kunden: Auch im Urlaub nimm dir jeden Tag wenigstens ein paar Minuten Zeit für dich und deine Meditation. Denn deine Ausgeglichenheit ist nicht selbstverständlich. Dieses Jahr habe ich mich nicht an meinen eigenen Rat gehalten – und wurde ziemlich unsanft daran erinnert.
Eigentlich wusste ich es besser …
Vor ungefähr einem Jahr fragte meine Mentorin, Kollegin und Freundin Natalie Backman mich einmal:
„Warum genau meditierst du?“
Dass mir Meditation vor 10 Jahren schon geholfen hat, mit meinem unerfüllten Kinderwunsch zurechtzukommen, und auch wie Meditation mir in der Folgezeit Stabilität gegeben hat, als sich mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat, darüber habe ich hier schon geschrieben.
Als Natalie mich an diesem Tag aber fragte, war die erste Antwort, die in der Laune des Augenblicks aus meinem Mund kam:
„Weil ich ein ziemlich nervtötender Mensch bin, wenn ich es nicht tue.“
Wir mussten beide erst mal lachen. Nicht weil es Scherz war – sondern weil die ungeschönte Wahrheit, fernab aller spirituellen Floskeln, manchmal so simpel ist. Im letzten Jahrzehnt meines Lebens hatte ich reichlich Gelegenheit zu beobachten, wie gut es mir mit Meditation geht. Und wenn sie mal fehlt, ist der Unterschied für mich deutlich spürbar.
Wenn ich meine Meditationspraxis ein paar Tage schleifen lasse, bin ich eindeutig dünnhäutiger, ängstlicher und ungeduldiger. Ich mache mir Sorgen über alles Mögliche. Und mein Gedankenkarussell findet Tausend kreative Negativ-Szenarien zu der Frage „Was ist, wenn …?“. Natürlich inklusive Plan A, B, C und D.
… und doch fiel im Urlaub die Meditation aus
Obwohl ich das weiß, habe ich mich diesmal im Urlaub von der pickepackevollen Reiseroute ablenken lassen. 11 Tage im Camper unterwegs – quer durch Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro und Italien. Mit ebenso unterschiedlichen wie atemberaubenden Landschaften und reichlich kulinarischen Highlights. Und, vollkommen normal, auch ein paar Sachen, die nicht nach Plan gelaufen sind.

So eine Flut von Eindrücken möchte nicht nur genossen, sondern auch verarbeitet werden. Trotzdem habe ich mir auf dieser gesamten Reise nur zweimal Zeit für meine Meditation genommen.
Wenn ich so lange nicht meditiere, dann stresst es mich selbst, in meinem eigenen Kopf zu sein.
Zum Beispiel wenn mich mitten im Urlaub aus dem Nichts das Hormonchaos der Perimenopause überrollt.
Wenn die Höhenangst am Berg auf einmal größer ist, als ich es von mir kenne.
Oder wenn sich die Parkplatzsuche an der Adria-Küste bei strahlendem Sonnenschein stressiger anfühlt, als daheim in Garmisch-Partenkirchen in der Haupt-Touristen-Saison durch das Baustellenchaos zu fahren.
Was war also der Denkfehler?
„Ich habe keine Zeit zum Meditieren“ – das ist ja im Urlaub selten der Fall. Und es war auch bei mir nicht der Grund, warum ich nicht öfter meditiert habe. Vielmehr war es so, dass ich nichts verpassen wollte.
Es gab so viele neue Orte zu sehen in so kurzer Zeit: zum Beispiel Rijeka, Triest und Udine, alle am selben Tag.

Oder gleich morgens in Kroatien am Meer zu frühstücken und ins Wasser zu hüpfen, statt mich auf mein Kissen zu setzen.
Und abends noch lange den Sonnenuntergang oder das Schauspiel am Sternenhimmel zu bestaunen, wo sich Venus und Jupiter so nah waren, wie schon seit Jahren nicht mehr.
Tja, oder auch mal ungeplant am Abend noch eine halbe Stunde länger durch Udine zu laufen, weil wir vergessen hatten, die Parkposition des Campers zu notieren.
Ich hatte Urlaub. Meine Sinne und mein Kopf aber waren im Dauereinsatz.
Mein Rat für dich – und für mich
Natürlich habe ich viele wunderschöne Momente im Urlaub genossen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, war ich oft nicht mit der gleichen Präsenz bei der Sache, die ich sonst von mir gewohnt bin.
Und ebenfalls keine Überraschung: Wer mehr im eigenen Kopf hängt als sonst, hat weniger Kapazität für andere – egal ob im Urlaub oder im Alltag. Es entstehen schneller Missverständnisse (wo war jetzt noch mal der Camper?) und der Geduldsfaden ist dünner. Nicht weil die Situation oder die Menschen um mich herum schwierig wären, sondern weil mir selbst die Pufferzone fehlte, die meine Meditation mir sonst gibt.
Offenbar musste ich es jetzt im Urlaub selbst noch einmal spüren, fernab der Theorie. Und vielleicht ist dies auch ein Beweis für dich, wenn du mir insgeheim noch nicht so richtig geglaubt hast, dass ein paar Minuten Meditation so einen großen Unterschied machen können.
Deshalb: Nimm dir jeden Tag Zeit für dich, für deinen bewussten Atem, für deine Meditation.
Ich tue es auch wieder, jetzt erst recht. Denn wenn man schon auf so einer großartigen Reise unterwegs ist, ist es viel schöner, wenn das Gedankenkarussell nicht die kompletten 2800 Kilometer mitfährt.


Schreibe einen Kommentar